Die Zeit der „Stalinistischen Säuberungen“

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Fügt man die Inhalte aller Akten zusammen, entsteht ein umfangreiches Bild über eine angebliche antisowjetische Organisation… Es werden mehrere „Brennpunkte“ aufgezeigt, an dem zuerst ein „Hauptschuldiger“ gefunden wurde und nach dessen Verhaftung auch andere Personen aus seinem Umfeld verhaftet wurden.

Im Zuge der Verhaftungen wurde oftmals vorgefundenes Bargeld (z. B. aus der Arbeit im Kolchos) konfisziert und später durch die Staatskasse eingezogen.

Bereits im Vorfeld wurde v. a. „Kulaken“ ab etwa 1933 die Ausgabe von Ausweisen verweigert. Viele dieser Personen reisten hiernach in die Stadt Perwomajsk aus.

 

Erschießungen fanden nachts statt. Aus den vorliegenden Akten ist teilweise ersichtlich, dass Erschießungen im Minutentakt vorgenommen wurden. Es wurden auch Frauen verurteilt, diese stellten jedoch nur eine sehr kleine Minderheit dar (im vorliegenden Material klar unter 1 %).

Auskunft an die Angehörigen

Den Angehörigen der Verhafteten war lange nicht bekannt, was aus ihnen wurde.

Insbesondere in den Fällen der zur Todesstrafe verurteilten wurden die Angehörigen lange von Seiten der Behörden bewusst getäuscht. Einer Richtline des KGB im Ministerrat der UdSSR (Nr. 108ss vom 24. August 1955) zufolge sind den Angehörigen von Erschossenen falsche Angaben mitzuteilen, das Sterbedatum ist in die Jahre des Zweiten Weltkriegs zu datieren.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und Ankunft in den Sondersiedlungen schrieben viele an die Behörden und baten um Auskunft darüber, wo sich ihr Angehöriger befinde. In einem konkreten Beispiel wurde den Angehörigen von Friedrich Kirsch (1908-1937) auf ihre Anfrage im Jahr 1959 hin mitgeteilt, dass Kirsch zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt wurde und am 22. September 1944 an Lungenentzündung verstorben sei. Tatsächlich wurde Kirsch jedoch am 18. Oktober 1937 zur Todesstrafe verurteilt und am 30. Oktober 1937 in Tiraspol erschossen.