Gründung des Ortes
Die Entstehung Friedenstals liegt in Ermangelung schriftlicher Aufzeichnungen im Dunkeln. Es handelt sich bei dem Ort jedoch wahrscheinlich um eine Gründung der späten 1860er-Jahre.
Erste Spuren einer Besiedlung des Ortes lassen sich in den militärisch-topografischen Karten des Russischen Kaiserreiches feststellen. In einer ersten Auflage, entstanden wohl in den 1860er-Jahren, ist ein nicht namentlich bezeichneter Chutor (Gehöft) mit nur sehr wenigen Behausungen südlich des Westteils des späteren Friedenstals erkennbar. In einer Korrektur aus dem Jahr 1869 sind bereits mehr Häuser zu sehen.
Glaubt man den Überlieferungen der späteren Einwohner Friedenstals, könnte dieser Ort Krabba Chutor (auch Krabbafutter) – wohl nach dem Namen der Erstansiedler auf diesem Territorium – geheißen haben. Die Bezeichnung Krabba Chutor wird jedoch ebenso dem Ort Friedenfeld, unweit des Bahnhofs Perekrestowo gelegen, zugeschrieben.
Ukrainische Quellen berichten, Friedenstal und der Nachbarort Wyschino (dt. 1941-1944 Hermannstal) seien an der Kreuzung dreier Straßen im sogenannten Hrady-Trakt von deutschen Kolonisten gegründet worden, worauf wahrscheinlich der Ortsname zurückzuführen ist.
Im Unterschied zu vielen anderen neueren von Deutschen bewohnten Dörfern ist der deutsche Name Friedenstal bereits von Anfang an parallel zum russischen Ortsnamen Trechgrady nachgewiesen.
Die Orte der Umgebung
In der Zeit der Ortsentstehung bestanden bereits einige andere Orte im Umkreis Friedenstals. Diese waren meistens von ukrainischen Familien bewohnt (Fedorowka (Schuljanka), Nesterowo, Rejmarowka, Jelenowka-Koritzkoje und Nowo-Germanowka). Der westlich gelegene Nachbarort Huljanka (Grigoropawlowka) war von ukrainisch-moldauischen Familien bewohnt und befand sich im Besitz des Generalmajors Katarschi (Catargi).
Von überwiegend deutschen Familien bewohnt waren die Chutore Woltschij (Woltschanka) (Klein-Glückstal), Brynsa (dt. 1941-1944 Hirschberg) und Desinerowo (dt. 1941-1944 Wilhelmsaue).
Ende der 1870er-Jahre entstand zwischen Huljanka und Friedenstal (südlich des späteren Dorfes Budajeschty (heute Budajiwtzi)) der deutsche Ort Mariental (auch Chutor Perikleja), der jedoch nicht lange zu bestehen schien. Er taucht in keinem Ortsverzeichnis auf und bleibt (außer auf einer Karte aus der Zeit um 1886) auch in Kartenmaterial unerwähnt.
Die frühen Einwohner Friedenstals
Über die ersten Einwohner des Ortes ist nichts bekannt. Dies ist vor allem dem geschuldet, dass die Vordrucke der evangelischen Kirchenbücher nicht vorsahen, dass die Geburts- (bei Taufeinträgen) bzw. Sterbeorte (bei Bestattungseinträgen) angegeben werden. Meist nur besonders auskunftsfreudige Kirchenbuchschreiber (Pastoren oder Küster) notierten in ihren Einträgen, dass ein Kind außerhalb des Ansiedlungsortes der Eltern geboren wurde.
Die erste Familie, die im Zusammenhang mit dem Ort „Friedenstal“ in Erscheinung tritt, war die Familie von Christian und Margaretha Wolf aus Bergdorf. Ihre Tochter Elisabetha wurde am 6. August (jul.) / 18. August 1875 (greg.) in Friedenstal geboren.
Die meisten Familien aus den frühen Zeiten Friedenstals stammten jedoch aus der Kolonie Glückstal, von wo der Ort deshalb (trotz Nähe zu Bergdorf) bis 1902 auch kirchlich betreut wurde.
Im Jahr 1879 bauten die Friedenstaler Einwohner ein Bethaus, das vom Glückstaler Pastor ein- oder zweimal im Jahr besucht wurde. Nach seinem Amtsantritt notierte der Glückstaler Pastor Martin Friedrich Schrenk (1833-1911) im September 1880, dass in Friedenstal und der neuen Siedlung Mariental 35 Familien und etwa 220 Seelen leben würden.
Seit dem Bau des Bethauses werden die Friedenstaler Einwohner in den Aufzeichnungen greifbar, da dieses in den Kirchenbüchern als Taufort angegeben wurde bzw. Pastor Schrenk in den Registern abweichende Wohnorte der Eltern vermerkte.
In den frühen 1890er-Jahren verschwanden die deutschen Siedler aus dem Ort. Bekannt ist unter anderem, dass die aus Neudorf stammende Familie Dörrheim, die seit den späten 1870er-Jahren in Friedenstal lebte, in der Zeit um 1892 nach Sofiental verzog. Einige andere Familien wanderten in die Vereinigten Staaten von Amerika aus.
1896 kamen erneut deutsche Ansiedler nach Friedenstal. Die ersten Familien stammten vor allem aus den Großliebentaler und Glückstaler Kolonistenbezirken. Ihre Familien blieben bis zur Umsiedlung im Frühjahr 1944 im Ort.
